Welcome Sign
South Africa,  Travel

Summer Camp Part II

Die letzten Wochen vor den Ferien waren wie in fast jedem Betrieb ziemlich stressig. Die Schüler hatten ihre Exams, weshalb die Anwesenheit bei den Nachmittagsprogrammen stark nachließ, ich musste zusammen mit Charlie Sponsorship Reports für über 30 Sponsorship Kids schreiben und in der Woche vor unserer Deadline war auch noch das zweite Summer Camp.

Ich war eh schon total gestresst, weil mir nicht bewusst war, dass in der letzten Woche keine Nachmittagsprogramme mehr stattfinden und die Kinder auch die Wochen vorher nicht mehr regelmäßig kommen. Meine Aufgabe war es über 20 Kinder einen Bericht über die akademische Entwicklung, die Entwicklung in den Masifunde Programmen und Verhaltenveränderungen/Veränderungen in der Familie etc. zu schreiben, ein Portrait und 2 Fotos in Aktion zu schießen und alles in die Templates zu packen. Die Infos für die Berichte musste ich mir von der Sozialarbeiterin, den Learn 4 Life Gruppenleitern und den Schulzeugnissen zusammensuchen. Das hat zwar auch etwas gedauert, war aber machbar.

Die Fotos haben die größte Schwierigkeit dargestellt und ehrlich gesagt konnte ich von 2 Kindern immer noch nicht ein einziges Foto auftreiben. Einige waren Gott sei Dank auf dem Camp und ich hatte dort die Möglichkeit noch ein paar Fotos zu machen.

Ein Junge hat es mir besonders schwer gemacht. Da er dieses Jahr 18 geworden ist, ist er in den Busch gegangen. Das ist eine Xhosa Tradition, bei der, die Jungen mehrere Wochen/Monate völlig abgekapselt von ihrem Umfeld im „Busch“ leben, dort ohne Betäubung beschnitten werden und ihnen einiges beigebracht wird. Was ihnen dabei genau erzählt wird darf niemand, der nicht selbst im Busch war erfahren. So hat es mir zumindest unser Nachbar erzählt. Vielleicht war es ihm auch nur zu unangenehm darüber zu reden aber ich kann nur weitergeben, wie er es mir gesagt hat, wer weiß.

Diese Prozedur ist nicht ganz ungefährlich und es sterben tatsächlich immer wieder Jungs. Für mich ist es völlig unverständlich wieso man sich so etwas antut aber das gehört auch zur Kultur. Wenn man gesellschaftlich als erwachsener Mann akzeptiert werden möchte muss man in den Busch gehen, so einfach ist es. Auf jeden Fall ist der eine Junge, über den ich den Abschlussbericht schreiben muss gerade im Busch und ich habe keine Möglichkeit an Fotos zu kommen.

Völlig gestresst und frustriert, weil ich wochenlang hinter diesen Kindern her gerannt bin um Fotos zu bekommen, habe ich mich zusammen mit meinen 4 Mitbewohnern und meinem fetten Koffer auf den Weg zum Office gemacht. Das zweite Summer Camp konnte beginnen. Ich war zwar nicht wirklich bereit dafür, habe mich aber trotzdem gefreut. Ich durfte zusammen mit Fu eine Gruppe leiten, das fand ich ziemlich cool, besonders weil ich mit Fu auch bei Connecting Continents zusammen arbeite und wir ein gutes Team sind. Also finde ich. Letztes Mal war es ziemlich anstrengend , weil die 3./4. Klässler einfach noch nicht ganz so gut englisch sprechen und sie auch an sich noch nicht so viel verstehen. Sie waren natürlich total süß und es hat trotzdem Spaß gemacht aber auf die High Schooler habe ich mich deutlich mehr gefreut.

Ich war etwas aufgeregt, weil Fu und ich eine der ältesten und größten Gruppen leiten sollten (15 Jugendliche, Klasse 10-12). Manche von den Jugendlichen waren genauso alt wie ich oder nur ein kleines bisschen jünger, teilweise waren sie auch etwas älter, deshalb hatte ich etwas Angst, dass sie mich nicht als Authorität akzeptieren, das war aber kein Problem. Nur ein Junge hat mich die ganze Zeit angebaggert aber auch eher aus Spaß. Ich bin natürlich gar nicht darauf eingegangen und habe mich mit allen gut verstanden.

Das Camp ging wieder 5 Tage wie auch das letzte schon und war auch vom Aufbau fast identisch. Der einzige Unterschied war das Thema des Camps, die Anzahl und das Alter der Kinder. Letztes Mal waren es nur die Grundschüler, sprich Klasse 3-7 und dieses Mal waren es nur High Schooler, Klasse 8-12 und fast doppelt so viele Kinder.

Gruppenfoto Camp

Das Thema des letzten Camps war, wie ich in dem Beitrag „Summer Camp Part 1“ über das letzte Camp schon erwähnt habe, Gruppenzwang/druck, Drogenmissbrauch, Selbstliebe und wahre Freundschaft. Bei dem Camp für die High Schooler ging es um Globalisierung, Kulturaustausch, den richtigen Umgang mit dem Internet (und  Aufklärung über die Gefahren, die es mit sich bringt) und ihren Platz in der Welt als global citizens. Alles wirklich interessante Themen, wie ich finde und auch alles Themen, die mich nicht nur aber besonders aufgrund des Auslandjahres betreffen.

Ich mochte meine Gruppe wirklich gerne. Sie waren sehr lebendig, schlau, hatten viel Vorwissen und waren meistens motiviert. Wir hatten ein paar wirklich interessante Sessions und ich glaube, dass sie wirklich etwas davon mitgenomme haben. Außer den Workshopzeiten habe ich auch das Abendprogramm mitgestaltet, da ich Teil des Global Learning Teams bin.

Gruppenfoto

Wir fangen dieses Jahr an ein neues Projekt zu etablieren, das Global Learning Projekt, wo die Kinder die Chance haben etwas mehr über die Welt, die verschiedenen Kontinente, Länder, Kulturen, etc. zu lernen und das in den beiden Libraries. Deshalb sind Charlie und ich Teil des Teams. Ich arbeite nämlich in der Primary School Library und Charlie in der High School Library.

Mittlerweile gibt es hier bei Masifunde einige Südafrikaner, die im Prinzip das Gleiche gemacht haben wie ich hier. Sie sind für ein Jahr nach Deutschland gegangen und haben dort in Jugendherbergen oder Kinderheimen gearbeitet. Die meisten sind feste Mitarbeiter bei Masifunde und Teil des Learn 4 Life Teams, wissen jedoch nicht so recht, was sie mit all den Erfahrungen, die sie gesammelt haben anfangen sollen. Sie sollen bei dem Global Learning Projekt auch die Chance bekommen etwas von ihrem Wissen und ihren Erfahrungen weiterzugeben.

Wir sind ein ziemlich junges Team und leider läuft vieles noch nicht so gut. Unsere Kommunikation ist glaube ich unser größtes Problem. Es entstehen viele Missverständnisse, manche Dinge werden viel zu spät oder auch gar nicht kommuniziert und das macht die ganze Sache etwas anstrengend.

Auch bei dem Camp gab es viele Kommunikationsschwierigkeiten und Missverständnisse. Wir mussten fast jeden Abend irgendwie improvisieren, weil wieder etwas nicht geklappt hat. Am Ende ging es einigermaßen und wir hatten jeden Abend Programm aber anstrengend und nervig war es trotzdem.

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie das Projekt funktionieren soll… Ich finde die Idee wirklich toll aber die Umsetzung wird glaube ich etwas schwierig. Wir haben viele gute Ideen, das ist keine Frage aber um sie wirklich umsetzten zu können müssen wir lernen klar und deutlich zu kommunizieren. Ich hoffe, dass wir das irgendwie hinbekommen.

Die Fotos sind an einem der Abende entstanden, an denen wir kurzfristig ein Programm auf die Beine stellen mussten. Ich glaube die Kinder hatten, obwohl es sehr improvisiert war, sehr viel Spaß. Die Kinder haben an unseren 4 Stationen rotiert und konnten alle mal etwas an der Weltkarte malen, ihr Kenntnis von Sehenswürdigkeiten beim Landscape Puzzle testen, 30 seconds mit Wörtern, die etwas mit Globalisierung zu tun haben, spielen und in ihrer Gruppe die Africa Map Challenge bewältigen. Ich glaube das war sogar unser bestes Abendprogramm.

Zwischen den Workshops und dem Abendprogramm gab es jeden Outdoor Activities, morgens vor dem Frühstück war erstmal Frühsport angesagt und in der Freien Zeit konnten die Jugendlichen Trampolin springen, unter Aufsicht von Lena im Pool schwimmen oder sich anderweitig beschäftigen.

Schaukel

Am letzten Abend gab es eine große Entlassungsfeier für die 11./12. Klässler. Es war total schön zu sehen, wie sich alle schick gemacht haben und insgesamt war es ein schöner Abend.

Manchmal komme ich mit der Lautstärke der Menschen hier einfach nicht klar. Nach einem Vortrag von einer Frau, die 30 Minuten nur davon geredet hat was sie alles geschafft hat und wie toll sie doch ist, den ich ehrlich gesagt sehr arrogant fand, kamen zwei Musiker, die total schön gesungen haben. Leider konnte man fast nichts hören, weil alle so laut geschrien und gejubelt haben. Ich finde die Begeisterung und Energie der Leute zwar toll aber ich kann nicht verstehen, wieso man so laut schreien muss, dass man von der Musik gar nichts mehr hört.

Das ist mir hier jetzt schon häufiger passiert, dass ich gerne gehört hätte, was gesungen/gesprochen wird, das Publikum aber so laut ist, dass man wirklich NICHTS mehr hört. Ich frage mich da jedes Mal, ob es die anderen Leute eigentlich nicht interessiert oder, ob sie es trotzdem hören können. Das wird wohl ein Mysterium bleiben. Mittlerweile habe ich mich schon daran gewöhnt. Am Anfang war das schon ein kleiner Kulturschock.

An einem der Abende war unser Abendprogramm ein Lagerfeuer mit Stockbrot und deutschen Märchen. Dafür mussten Charlie und ich das Feuer errichten und bestimmt eine Stunde lang Äste von dem vorderen Tor zur Feuerstelle schleifen. Wir haben leider erst in den letzten 20 Minuten die Schubkarre gesehen. *facepalm* Na ja war irgendwie auch ganz witztig. Unser Lagerfeuer sah zwar eher aus wie ein Tippi aber gebrannt hat es trotzdem ziemlich gut.

Lagerfeuer

Von dem Abend habe ich leider nicht allzu viel mitbekommen, weil mir etwas übel war und ich mich etwas hingelegt habe. Anne hat an dem Abend auch endlich ihre Braids bekommen. Es hat ihr richtig weh getan und sie konnte auch mehrere Nächte nicht gut schlafen. Ich bin wirklich froh, dass das bei mir anders war. Ich hatte wirklich gar keine Schmerzen und konnte auch schon am zweiten Tag meine Haare hoch machen. Ich hab auf dem Camp das erste Mal einen Dutt hinbekommen, crazy! Das war wirklich viel Arbeit aber es hat sich gelohnt.

Dutt mit Braids

Wir saßen eigentlich jeden Abend bei uns im Zimmer und hatten entweder Girls Night, wo wir über alles Mögliche geredet haben, uns die Nägel gemacht haebn etc. oder hatten Game Night wie letztes Mal aber das haben wir nur ein einziges Mal gemacht.

Am letzten Tag waren nach unserem Global Festival wieder mal alle fertig und ich war wirklich froh, dass wir mit unserem eigenen Auto gefahren sind, weil wir so nicht warten mussten, bis der Crafter zurück ist. Das war sehr praktisch.

Ein Teil einer der vielen Performances bei unserem Festival.
Essensausgabe

Ich finde den Gedanken, dass das das letzte Summer Camp war zum einen total befreiend, weil es schon jedes Mal anstrengend ist und auch die Vorbereitung immer dauert aber zum anderen finde ich es wirklich schade.

Auf Summer Camps hat man die Möglichkeit wirklich Zeit mit den Kids und den Mitarbeitern zu verbringen, sich gegenseitig viel besser kennenzulernen und total viel Spaß zu haben. Ich fand beide Camps cool, das Zweite hat mir aber noch deutlich besser gefallen, weil wir die Mitarbeiter schon viel besser kannten und ich lieber mit großen Kids arbeite.

Letztes Mal hatte ich ja leider keine Fotos, die ich hochladen konnte, weil die Fotos aus irgendeinem Grund verloren gegangen sind. Dieses Mal habe ich einige Fotos selbst gemacht (z.B. die Fotos von unserem Abendprogramm und von den Outdoor Activities) und mir direkt alle auf den Laptop geladen, deshalb gab es dieses Mal einige. Meiner Meinung nach ist es immer cooler viele Fotos zu haben, weil man sich so alles viel besser vorstellen kann. Und das ist natürlich der Hauptgedanke hinter meinem Block, dass ihr euch etwas besser vorstellen könnt, was ich hier so alles erlebe.

Ich finde es krass wie schnell die Zeit vergeht. Es fühlt sich an wie gestern als wir uns auf den Weg zum ersten Summer Camp gemacht haben. Die nächsten 8 Monate werden mit Sicherheit auch im Fluge vergehen. Ich bin schon gespannt, was mich noch so alles erwartet.

See ya 😀

Gebet
Das Tischgebet, dass wir vor jedem Essen gesungen haben, es ist ein richtiger Ohrwurm!
Diskoabend und natürlich werden die Tänze getanzt, die hier gefühlt immer und überall getanzt werden.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

EnglishGerman